Tattoos über Narben.. was ist möglich?
Anfragen zu Tattoos über Narben bekomme ich regelmäßig. Und weil viele Menschen unsicher sind, ob und wie sich eine Narbe tätowieren lässt, möchte ich hier ein bisschen genauer darauf eingehen.
Narben entstehen aus ganz unterschiedlichen Gründen: durch Unfälle, Operationen, Selbstverletzung oder zum Beispiel auch durch einen Tierbiss. Sie können ganz unterschiedlich aussehen und sich auch ganz unterschiedlich anfühlen.
Und ganz wichtig: Du musst dich für deine Narbe nicht schämen oder sie mir erklären. Mein Tattoo Studio ist ein urteilsfreier Raum. Bei einer Beratung sind wir unter uns und du kannst mir deine Narbe in Ruhe zeigen.
Die in diesem Artikel genannten Beispiele von Selbstverletzungsnarben sind mit dem ausdrücklichen Einverständnis der jeweiligen Kundinnen entstanden.
Wie alt muss eine Narbe sein?
Das Alter der Narbe ist der wichtigste Faktor. Sie muss vollständig ausgereift und verheilt sein, bevor wir sie tätowieren können. Gerade bei Keloid-Narben (Wulstnarben) kann dieser Prozess drei bis fünf Jahre dauern.
Narbengewebe ist dünner und empfindlicher als gesunde Haut. Beim Tätowieren wird die Haut wiederholt beansprucht. Wenn eine Narbe noch nicht vollständig verheilt ist, kann das mehr schaden als nutzen.
Ob eine Narbe bereit für ein Tattoo ist, lässt sich nicht pauschal anhand ihres Alters beurteilen. Deshalb möchte ich sie vorab persönlich sehen. Bei einer Beratung können wir gemeinsam schauen, wie sich die Narbe anfühlt, wie sie aussieht und ob und was an dieser Stelle möglich ist.
Das Design soll den Blick von der Narbe weglenken
Bei einem Tattoo über einer Narbe geht es für mich nicht darum, die Narbe mit möglichst viel Farbe zu überdecken.
Ich versuche vielmehr, die Narbe in das Design einzubauen und den Blick auf das Gesamtmotiv zu lenken. Dafür eignen sich organische und natürliche Formen besonders gut. Blumen, Blätter, Haare oder andere fließende Elemente können die Struktur der Narbe aufnehmen und sie innerhalb des Motivs weniger auffällig machen.
Warum sind Details auf Narben schwieriger?
Narbengewebe verhält sich biologisch anders als normale Haut: Es ist unregelmäßiger, dichter oder unelastischer. Sehr feine Linien lassen sich dort nicht immer mit der gleichen Präzision stechen wie auf unberührter Haut. Das muss bereits bei der Gestaltung berücksichtigt werden.
Manchmal bedeutet das, mit größeren Formen zu arbeiten. Manchmal lässt sich die Narbe so geschickt in ein Motiv integrieren, dass sie innerhalb der Details und Linien kaum noch auffällt.
Tut ein Tattoo über einer Narbe mehr weh?
Meistens ja. Viele Kundinnen und Kunden empfinden das Tätowieren auf Narbengewebe als intensiver als auf normaler Haut. Auch hier gilt: Jede Narbe und jeder Mensch reagiert anders.
Ein paar Beispiele aus meiner Arbeit
Eine alte Narbe durch einen Hundebiss
Diese Narbe war bereits über 15 Jahre alt und damit lange verheilt. Da sich die Haut an dieser Stelle deutlich verfärbt hatte, haben wir die größte Blume direkt über diesem Bereich platziert.
Weitere Farben und Blüten haben das Bein eingerahmt und gleichzeitig den Blick von der leichten Farbveränderung der Haut weggeführt.
Eine große Keloid-Narbe an der Schulter
Diese Narbe war über 20 Jahre alt und ziemlich groß.
Aufgrund ihres Alters konnten wir hier mit einem farbigen Design arbeiten. Wir haben drei Sonnenblumen verwendet und die Narbe direkt in die Größe und Gestaltung der Blüten integriert.
Die Linien der Blütenblätter lenken dabei gleichzeitig den Blick von der ursprünglichen Form der Narbe ab.
Kleinere Narben am Handgelenk
Bei diesen kleineren Narben haben wir uns für ein florales Design entschieden. Das Motiv war bewusst zart, aber trotzdem klar genug, um die Narben in die Gestaltung einzubeziehen und gleichzeitig zum Charakter und Stil der Kundin zu passen.
Mehrere ältere Narben in einem Portrait
Bei diesem Tattoo lagen mehrere Narben im Bereich eines Portraits. Einige davon waren bereits etwa drei Jahre alt, darunter auch zwei Keloid-Narben. Hier haben wir die Narben in den Haaren des Portraits verschwinden lassen. Statt sie einfach zu überdecken, wurden sie Teil der Gestaltung und genau dadurch fielen sie im fertigen Tattoo deutlich weniger auf.
Was ist also möglich?
Erstaunlich viel! Es gibt jedoch keine Universallösung vom Reißbrett. Ein gutes Narben-Tattoo arbeitet mit der Haut, die da ist, und respektiert ihre Grenzen.
Wenn du dir ein Tattoo über einer Narbe wünschst, vereinbare gerne ein Erstgespräch in meinem Studio in Schwedt. Du musst nichts verstecken oder rechtfertigen, wir schauen einfach ganz entspannt, welches Kunstwerk aus deiner Haut entstehen möchte.